Die Schlossanlage von Neuschwanstein

Neuschwanstein von Südenosten – Bild: © Jeff Wilcox / wikimedia.org
Neuschwanstein von Südenosten – Bild: © Jeff Wilcox / wikimedia.org

Schloss Neuschwanstein ließ König Ludwig II. im romanischen Stil erbauen. In die Schablonen des mittelalterlichen Stils sollten aber die neuen Ideen eingepasst werden. Geprägt wird die Architektur vom romantischen Eklektizismus des 19. Jahrhunderts. Das Schloss wird dabei zu einem kaum von anderen übertroffenes Hauptwerk des Historismus seiner Zeit.

Der Vorgängerbau, die Ruinen der Vorder- und der Hinterschwangau, waren ganz zu Verteidigungszwecken errichtet worden – mit dicken Mauern und kleinen Fensteröffnungen, hinter denen man sich gut verschanzen konnte. Doch die Burg von Ludwig II. wurde allein zu Wohnzwecken erbaut. Sie „soll innen und außen eine Augenlust sein,“ bemerkte die Biografin von Ludwig II. Luise von Kobell. Fenster wurden so weitaus großzügiger gestaltet, um das Licht voll in das Schloss einströmen zu lassen. Und im Inneren wurde die Burg ganz anders genutzt als zu wehrhaften Zwecken. Beim Betrachten der Türme, Firsten und Zinnen entfaltet sich ganz die mittelalterliche Poesie, in der das Schloss ersonnen wurde.

Nach dem allerhöchsten Willen Seiner Majestät des Königs soll das neue Schloß im romanischen Stil gebaut werden. Da wir nun gegenwärtig 1871 schreiben, so sind wir über jene Zeitperiode, welche den romanischen Stil entstehen ließ, um Jahrhunderte hinausgerückt, und es kann doch wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß die inzwischen gemachten Errungenschaften im Gebiet der Kunst und Wissenschaften uns auch bei dem unternommenen Bau zugute kommen müssen.

Hofrat Lorenz von Düfflipp im Auftrag von König Ludwig II. an den Maler Michael Welter, 21. November 1871