Der Tod von König Ludwig II. von Bayern – Die rätselhafte Königskatastrophe

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Leichenschau – Die Spurensuche beginnt

Nachdem Dr. Müller den Tod von König Ludwig II. und von Prof. Dr. Gudden konstatierte, rudert man zurück zur Fischerhütte, wo man abgefahren war. Bahren werden geholt, die Leichen in das Schloss getragen und in unterschiedlichen Zimmer im 1. Stockwerk des Schlosses aufgebahrt; Stiefel werden aufgeschnitten, die Kleidung teils ebenso. Man bedeckt die Leichname und wartet auf die herbeigerufene Gerichtskommission, die gegen 2 Uhr erscheint.

Oberamtsrichter Jehle, Bezirksarztstellvertreter Dr. Heiß und der Arzt Dr. Magg als Schreiber begutachten Körper und Kleidung, die Spurensuche beginnt. Am Leib des Königs findet man nichts. Der König ist unversehrt bis auf ganz kleine Abschürfungen unter den Knien und den Spuren der Wiederbelebung. Auch sein Mantel scheint unversehrt. Anders sieht das bei Gudden aus. Über sein Gesicht verlaufen Kratzwunden, das rechte Auge ist blaugeschlagen, der Nagel eines Fingers an der rechten Hand fehlt zur Hälfte und am Hals finden sich Flecken und Eindrücke von Nägeln. Alles deutet auf einen gewaltsamen Tod Guddens hin. In den kommenden Stunden und Tagen sollte die Suche nach der Wahrheit einsetzen. Nicht nur die Gerichtskommission ergründet die Vorgänge. Scheinbar unzählige begeben sich selber auf Spurensuche: Offizielle und Inoffizielle, Laien und Profis, Preußen und Bayern, Freunde und Feinde. Doch die schlussendliche Wahrheit findet niemand. Die Legendenbildung setzt ein, Theorien werden aufgestellt.

Offiziell schließlich heißt es, König Ludwig II. von Bayern habe sich selbst getötet. Und bei dem Versuch dieses Selbstmords habe er Professor Bernhard von Gudden, der den König retten wollte, mit in den Tod gerissen. Genauer: Es wäre zum Zweikampf gekommen, in dem Ludwig II. den Psychiater unter Wasser gedrückt und ertränkt hätte. Am Ende seines Lebens hatte man König Ludwig II. also nicht nur für wahnsinnig erklärt, man stellte ihn letztlich auch noch als Mörder dar. Das sahen schon damals viele Menschen ganz anders, was bis heute so ist.