Der Tod von König Ludwig II. von Bayern – Die rätselhafte Königskatastrophe

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Hektische Suche nach dem König und seinem Begleiter

Als die Spaziergänger bis 20 Uhr noch nicht zurückgekehrt waren, schickt Dr. Müller erst einen, dann zwei weitere Gendarmen zur Suche in den Park hinaus. Die Suche wird vom Schloss aus von ihm, von Baron Washington und dem Schlossverwalter Huber organisiert. In den 30 folgenden Minuten senden sie fast das gesamte Schloss-, Gendarmerie- und Pflegerpersonal in den Park aus. Um 21 Uhr äußert Baron Washington erstmals die schreckliche Befürchtung: „Ich glaube, sie sind beide tot.“ Die Aufregung steigert sich von Minute zu Minute. Alle Ausgeschickten kommen erfolglos zurück und suchen dann gleich weiter. Dr. Müller setzt mit Depeschen den Prinzregenten Luitpold und die Minister in Kenntnis. Vom Mitteltor kehren Gedarmen wieder, die dort frische Wagenspuren in Richtung München wahrgenommen haben, den König aber nicht fanden.

Ungefähr gegen 22 Uhr nimmt der Hofoffiziant Georg Ritter in der Nähe einer Bank, auf der der König beim Spaziergang am Vormittag gesessen hatte, das Ufer genauer in Augenschein. Es regnet bereits stark, die Dunkelheit hatte eingesetzt. Nahe am Ufer bemerkt er etwas Schwarze, das sich als der Überrock von König Ludwig II. herausstellt. Der Leibrock steckt noch drinnen. Beide Mäntel wurden in einem Ritt zusammen ausgezogen. Ritter schlägt Alarm. Und Karl Rottenhöfer, der gemeinsam mit Ritter unterwegs war, findet wenig entfernt auch noch den Regenschirm des Königs. Der Pfleger Konrad Schneller hört den Ruf und sucht in der Nähe der Fundstelle weiter das Ufer ab. Schließlich findet er den Hut des Königs, „welcher am Ufer lag und nicht weiter vom Ufer entfernt, als wenn ihn die über das Ufer hereinspülenden Wellen ebendorthin getragen hätten.“

Es ist etwa 23 Uhr. Auch der Hut Guddens und dessen Regenschirm waren aufgefunden worden. Dr. Müller und Schlossverwalter Huber besteigen einen Kahn, das Gewässer bei der Fundstelle abzusuchen. An einer Stelle, etwa 20 bis 25 Schritt vom Ufer entfernt, stößt Huber plötzlich einen Schrei aus. Er springt ins brusthohe, 12 Grad kalte Wasser und umklammert einen leblosen Körper. Es ist der Könper von König Ludwig II. von Bayern. Nur wenige Schritte entfernt entdeckt man auch Guddens Leiche. Beide das Gesicht im Wasser.

Nun lief ich mit dem Schloßverwalter hinunter an den See, wir weckten einen Fischer, bestiegen ein Boot und fuhren um 11 Uhr ab gegen Leoni zu. Wir waren noch nicht lange auf dem Wasser, da stieß Huber plötzlich einen Schrei aus und sprang ins Wasser, das ihm bis an die Brust ging; er umklammerte einen Körper, der auf dem Wasser daherschwamm, es war der König in Hemdsärmeln; ein paar Schritte hinterdrein kam ein zweiter Körper – Gudden. Ich zog ihn ans Boot, und dann ruderte der Fischer gegen das Ufer zu. Dort sprangen uns einige Pfleger bei, und mit diesen hoben wir die beiden Körper ins Boot. Beide waren, wie ich damals sofort erklärte, ohne Puls und ohne Atmung; die Totenstarre war schon eingetreten. Die Uhr des Königs, die aus der Weste heraushing, war um 6 Uhr 54 stehengeblieben; zwischen Uhrglas und Zifferblatt sah man das eingedrungene Wasser. Guddens Uhr war um 8 Uhr stehengeblieben, doch zog dieser seine Uhr nur selten auf.

Aus dem Bericht von Dr. Carl Franz Müller