Bericht über die Obduktion von König Ludwig II. von Bayern – Autopsie vom 15. Juni 1886

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Die Sulci meningei trotzdem ziemlich tief entwickelt, schmal; Kranznaht und Sagittalnaht an der inneren Seite des Schädeldaches vollständig verknöchert. An der Innenfläche der rechten Hälfte des Hirnbeines 2 Centimeter vom Tuber nach Innen zu eine 10 Millimeter lange und 5 Millimeter
breite Exostose, an der Innenfläche der linken Stirnbeinhälfte circa 1 Centimeter von der Medianlinie entfernt eine hanfkorngroße rundlige Exostose. Etwas weiter nach unten und vorne an dieser Seite noch zwei stecknadelkopfgroße Exostosen. Am vorderen medialen Winkel des linken
Seitenwandbeines erscheint eine markstückgroße Ausbuchtung, an welcher das Schädeldach den höchsten Grad der Verdünnung zeigt.

Sinus longitudinalis superior weit, besonders gegen die Occipitalgegend zu sich erweiternd, am vorderen Ende gegen die Crista Galli zu sich verengernd. Im Inneren des Sinus 5 verschieden große Gruppen Pachionischer Granulationen, welche in das Lumen des Sinus vorragen.

Die Dura mater am Coronarrande des Stirnbeines gegen die Sagittalnaht zu beträchtlich verdickt, geröthet, blutreich, auf der Außenfläche rauh und zottig, die Verdickung ist am stärksten in der Stirnbeingegend zu beiden Seiten des Sinus longitunalis, etwa in der Mitte der großen Hirnsichel, nahe dem Längsblutleiter, eine fast erbsengroße platte Knochenablagerung. Am Clivius der Schädelbasis findet sich eine stachelförmige Exostose, welche etwa 2 Millimeter über das Niveau der Dura mater in die Schädelhöhle vorspringt. Die rechte Hälfte der Sattellehne zeigt einen angeborenen Defect. An der Vorderfläche der linken Felsenbeinpiramide befindet sich eine gerade nach aufwärts gerichtete Protuberanz von circa 1 Centimeter großem basalen Durchmesser, welcher am Schläfenlappen des Großhirns eine Vertiefung von gleichem Umfang entspricht. Die Sattellehne ist verdickt und in erheblicher Ausdehnung osteoporotisch, ebenso der Boden der vorderen Schädelgruben. Alle Venensinus der Basis Cranii stark mit dunklem, gerinselfreien Blute gefüllt. Gehirn im Gewicht = 1349 Gramm mit Inschluß der weichen Häute (ohne Dura), die Arachnoida auf beiden Hemisphären in Ausdehnung von 9 Centimeter verdickt, milchich weiß getrübt. Die einzelnen verdickten Stellen dehnen sich vom Medialrande aus über beide großen Hemisphären lateralwärts etwa 5 Centimeter weit inselartig über den rechten Stirn- und Scheitellappen aus, linkerseits in geringerem Grade, jedoch ist auch hier in der erwähnten verdünnten Stelle am Schädeldach ensprechend eine etwas stärkere Erhebung vorhanden, welche wesentlich bedingt ist durch Verdickung der Arachnoidea und Pia mater. Diese verdickte Stelle entspricht dem medialen Ende der vorderen Centralwindung und am Anfangstheil der ersten Stirnwindung. Die linke Hemisphäre zeigt an 3 Stellen atrophische Windungen und zwar:

1. Am Anfang der zweiten und 3. Stirnwindung.
2. Am Anfangstheil der ersten Stirnwindung.
3. An dem medialen Ende der hinteren Centralwindung und der hier angrenzenden Windungen des Scheitellappens.

Die rechte Hemisphäre zeigt ebenfalls deutlich 3 ziemlich scharf markierte atrophische Stellen und zwar ebenfalls:

1. Am Anfang der 2. und 3. Stirnwindung.
2. Am Anfang der 1. Stirnwindung und am medialen Ende der vorderen Centralwindung.
3. In der Umgebung des mittleren Abschnittes der postcentralen Furche.

Die Gehirnsubstanz ziemlich weicher Consistenz, weiß, zeigt am Durchschnitt, zahlreiche Blutpunkte. Die graue Substanz der Windungen etwas schmal, die Höhlen und die Plexus durchaus normal, ebenso die Basaltheile des Großgehirnes und das kleine Gehirn.