Biographie König Ludwig II. von Bayern: 1845 bis 1869 – chronologischer Überblick, Teil 1

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Nach dem verlorenen Krieg wendet sich König Ludwig II. intensiv seinen ersten Bauprojekten zu. Sowohl das Projekt Neuschwanstein als auch der Wintergarten in der Residenz München, das Königshäuschen in Schachen und andere Projekte werden in Angriff genommen. Mit Sophie in Bayern verlobt und entlobt sich der König. Inkognito reist er nach Eisenach zur Wartburg, nach Frankreich zur Weltausstellung und in die Schweiz auf den Spuren Wilhelm Tells. Innenpolitisch werden im Sozial- und im Schulwesen Akzente gesetzt. Wagner kehrt zurück, aber erneut zeigen sich Schatten in der Königsfreundschaft.

1867

Anfang Januar Gottfried Semper zeigt Ludwig II. das Modell für das Festspielhaus in München. Per Handschlag erteilt er dem Architekten den Auftrag des Baus, der aber von Seiten der Regierung wegen der scheinbar zu hohen Kosten verhindert wird.
Anfang Januar Die Ausstattung der Königswohnung wird abgeschlossen.
22. Januar
Verlobung mit Sophie in Bayern, die jüngste Schwester von Kaiserin Elisabeth von Österreich (als Sissi bekannt). Mit der Tochter von Herzog Maximilian in Bayern verbindet Ludwig II. vor allem die Liebe zu Wagner. Nach einigem Zögern entschließt er sich zur Verlobung mit der Schönen.
5. Februar Zum Abschluss der Stuttarter Konferenz erklären die anwesenden Minister, die Wehrkräfte ihrer Länder zu verbessern und für gemeinsamer Aktion der Bündnispartner auszubilden.
28. Februar Verlobungsball in München mit etwa 750 Gästen. Der König erscheint gegen 21 Uhr und verschwindet gegn 22 Uhr, um noch die letzten Szenen einer Schiller-Aufführung sehen zu können.
9.–18. März Wagner ist erstmals nach seiner „Verbannung“ wieder Gast in München.
22. März Die Abgeordnetenkammer beschließt die Abschaffung der Todesstrafe in Bayern, Justizminister Bomhard ist dagegen. der Antrag wurde deshalb abgelehnt.
24. April
Der bayerische Hausritterorden vom Heiligen Georg begeht sein 200. Hauptfest. Als Großmeister des Ordens unternimmt Ludwig erste Ordensverleihungen und Ritterschlag.
6. Mai Richard Hornig wird von Ludwig II. zum Stallmeister ernannt. Hornig wird einer der engsten Vertrauten des Königs. Kurz vor seinem Ende wird Hornig ihn verraten.
28. Mai Hofbaurat Eduard Riedel unterbreitet dem König die ersten Entwürfe für den Wintergarten Ludwigs II., der auf dem Dach der Residenz München entstehen soll.
1.–3. Juni Ludwig II. reist inkognito mit seinem Bruder nach Eisenach und besichtigt die Wartburg, die Schauplatz des sagenumwobenen Sängerstreits war. Von diesem geschichtsträchtigen und sagenhaften Ort ist Ludwig derart angetan, dass er die Wartburg später zum baulichen Vorbild für Schloss Neuschwanstein macht.
8. Juli Erneuerung eines kleindeutschen Zollvereins.
20.–29. Juli Inkognito reist Ludwig II. nach Frankreich. Hier kommt es zu Zusammentreffen mit dem französischen Kaiser Napoleon III. Er besucht die Weltausstellung und das Schloss Pierresfonds.
30. Juli Der ehemalige griechische König Otto, Ludwigs Taufpate und Onkel, wird in München beigesetzt.
17. August Napoleon III. macht auf dem Weg nach Salzburg, wo er mit dem Kaiser von Österreich zusammenkommen will, für einen Tag Halt in Augsburg und trifft sich mit Ludwig II.
19. August Ludwig II. reitet zum Soiernhaus, das er erstmals zu Gesicht bekommt.
25. August Grundsteinlegung für das neue Rathaus in München am Marienplatz in Abwesenheit des Königs.
18. September Freiherr Johann von Lutz wird zum Justizminister ernannt.
7. Oktober Auslösung der Verlobung mit Sophie. Trotz der weit fortgeschrittenen Hochzeitsvorbereitungen konnte sich Ludwig II. nicht zur Ehe mit Sophie entscheiden. Den Hochzeitstermin will er mehrere Male verschieben. Auf Druck der herzoglichen Familie, die eine Entscheidung von ihm erwartet, löst er die Verlobung mit einem Handschreiben auf.
31. Oktober Ein Gesetzentwurf über das bayerische Schulwesen sieht die Beschränkung des kirchlichen Einflusses in der Schulaufsicht vor.
23. November Ludwig II. wird die Bildung eines süddeutschen Staatenbundes geraten, der sich gütlich mit den Preußen stellt.

1868

Georg von Dollmann tritt in den Dienst des Königs und Eduard Riedel zeichnet die ersten Entwürfe für Schloss Neuschwanstein.
16. März Es kommt zum Bruch zwischen Ludwig II. und gottfried Semper. Das Festspielhausprojekt in München scheitert entgültig.
12. April In München wird die die Gründungsurkunde für die Polytechnische Schule unterzeichnet.
2. Mai
Für den Neubau des Wintergartens auf der Münchner Residenz wird der entgültige Bauplan vorgelegt.
13. Mai
Schreiben von König Ludwig II. an Richard Wagner, der ihm die Absicht zum Bau einer Ritterburg in Hohenschwangau anstelle der Ruinen der Vorder- und der Hinterschwangau auf dem Schwanfelsen mitteilt.
Anfang Juni Die Straße zum Neuen Schloss in Hohenschwangau wird zu bauen begonnen.
21. Juni „Die Meistersinger von Nürnberg“ werden in München uraufgeführt. Beginn der Rehabilitation Wagners. Wagner reist wenige Tage später wieder in Richtung Schweiz ab. Den König wird er für die nächsten acht Jahre nicht wieder sehen.
Juli Auf dem Schwanfelsen in Hohenschwangau werden erste Arbeiten durchgeführt. Mit Sprengungen wird Platz geschaffen für die Neue Burg.
2–10. August In Bad Kissingen trifft Ludwig II. auf den russischen Zaren, den österreichischen Kaiser und auf den König von Württemberg.
26./27. September Empfang der russischen Zarin Maria Alexandrowna in Schloss Berg.

1869

23. Februar
Umgestaltung des Königshäuschens in Graswangtal am Standort Linderhof.
9. April
Depesche der bayerischen Regierung gegen das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit. Auf Anregung des Königs entwirft das Ministeriums ein neues Schulgesetz. Dieses sieht ausschließlich staatliche Schulaufsicht ohne kirchlichen Einfluss vor.
29. April Die Armen- und Krankenpflege wird gesetzlich verankert. Das Bahnliniennetz wird ausgebaut. Einführung von Meter und Kilogramm als verbindliche neue Maße.
22. Mai Die Konservativen erringen den Sieg in der Landtagswahl. Das Gegengewicht zu Ludwigs liberaler, eher preußenfreundlicher Regierung wird hierdurch größer.
3. Juni die Bauarbeiten am wintergarten in der Residenz München beginnen.
15. Juni Für einen Palast im byzantinischen Stil legt Georg von Dollmann einen Kostenvoranschlag vor.
27. August Für das Königshaus auf dem Schachen wird Grundstein gelegt.
4. September Ohne dass der König davon erfährt, lässt Wagner Ludwig II. als Taufpaten für seinen Sohn Siegfried eintragen.
5. September Grundsteinlegung für Schloss Neuschwanstein. Ludwig befindet sich in Schloss Berg.
22. September Ludwig erzwingt die Aufführung von Wagners „Rheingold“. Wagner wehrt sich erfolglos dagegen, was zur erneuten Verstimmung zwischen den beiden führt.
6. Oktober Durch den Zwist der Parteien löst Ludwig II. die Kammer der Abgeordneten auf, was zu neuen Landtagswahlen führt.
26. November Neuwahlen in Bayern. Erneut siegen die Konservativen.
9. Dezember Abschluss der Ausstattung der Königswohnung in der Residenz München, die Ludwig II. im Stil Ludwig XIV. ausstatten ließ.
18. Dezember Ludwig unterstützt die Gründung des Bayerischen Frauenvereins durch seine Mutter.
20. Dezember Verschiedene Kabinettsumbildungen durch den vermehrten Druck aus der von den Konservativen bestimmten Abgeordnetenkammer.