Biographie König Ludwig II. von Bayern: 1845 bis 1869 – chronologischer Überblick, Teil 1

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Die Freundschaft zwischen Ludwig II. und Wagner entwickelt sich zu einer tiefen Symbiose zwischen den beiden und zeigt erste Schatten. Durch das gierige und selbstherrliche Auftreten Wagners entwickelt sich immer mehr öffentliche Abneigung gegen den Komponisten und seine Kreise. Ludwig II. wird letztlich gezwungen, sich zwischen Wagner und dem bayerischen Volk zu entscheiden. In der Auseinandersetzung zwischen Preußen und Österreich kommt es indes zur Mobilmachung der Armeen. Einen Krieg kann Bayern durch Verhandlung nicht verhindern. Auf der Seite Österreichs gehört Bayern zu den Kriegsverlierern und büßt ein Stück seiner Stellung im deutschen Staatenbund ein, während die preußische Macht ungebremst wächst.

1865

Januar 1865 Ludwig II. richtet in München den ersten deutschen Lehrstuhl für „Hygienie“ ein. Max von Pettenkofer wird als Professor berufen.
30. Januar Der König erhält von Wagner ein Ölbild mit einem Porträt des Komponisten. Über die Bezahlung des Bildes kommt es zur ersten Verstimmung zwischen König und Künstler, die bis Ende Februar anhält.
27. März Beim Bundestag des Deutschen Bundes tritt Ludwig II. für die Rechte des Erbprinzen von Schleswig-Holstein-Sonderburg, dem das Herzogtum Holstein in Verwaltung übergeben werden solle. Österreich und Preußen lehnen den Vorschlag ab.
8. April In der Residenz in München empfängt Ludwig II. Mitglieder des Landtages zur Gala. Die Tafel findet im Schlachtensaal statt.
11. Mai Der König ist begeistert von der Generalprobe zu „Tristan und Isolde“. Die Uraufführung muss wegen der plötzlichen Erkrankung der Schauspielerin Schnorr von Carolsfeld verschoben werden.
10. Juni Wagners „Tristan und Isolde“ wird im Hoftheater München uraufgeführt. Ludwig II. feiert die Aufführung enthusiastisch.
25. August König Wilhelm I. von Preußen stattet Ludwig II. in Schloss Hohenschwangau einen Besuch ab. Ludwig II. feiert seinen 20. Geburtstag. Am Abend gibt es eine Lohengrin-Feier am Alpsee mit Paul von Thurn und Taxis als Lohengrin.
Anfang September Gottfried Semper hält sich für Studien zum Festspielhaus in München auf. Sein Kostenvoranschlag für das Theater beläuft sich auf über 2,5 Million Gulden.
12. Oktober Von der Pfordten übergibt ein Gutachten, das Ludwig II. über die Lage Bayerns im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen zwischen Österreich und Preußen beauftragt hatte. Die Krise zwischen den beiden Staaten in der Schlewig-Holstein-Frage hatte sich zugespitzt. Nach dem Gutachten soll ein österreichischer Sieg im Kriegsfall unwahrscheinlich sein. Ludwig II. will einen Krieg verhindern und hofft auf eine Lösung auf den Gebiet des Rechts.
20. Oktober – 2. November König Ludwig II. reist inkognito in die Schweiz und besucht die originalen Schauplätze der Wilhelm Tell Sage, darunter die Tellsplatte, Küßnacht und den Rütli. Angeregt war der König zu dieser spontanen Reise durch die Aufführung von Schillers „Wilhelm Tell“ am 18. Oktober in München.
4. November Am Gärtnerplatz in München wird ein Theater eröffnet.
11.–18. November Auf Einladung von Ludwig II. weilt Richard Wagner in Schloss Hohenschwangau. Der Aufenthalt peitscht die Stimmung in München gegen Wagner zusätzlich an. Zudem erhält Wagner vom König weitere 40.000 Gulden für die Werke Wagners, das Cosima von Bülow in zwei Säcke voller Silberstück aus der Schatzkasse ausgehändigt wird.
6. Dezember Der bayerische Ministerrat zwingt Ludwig II., in der Wagner-Sache aktiv zu werden, und droht geschlossen mit Rücktritt. Wagner hatte sich wegen seines Auftretens, seiner hohen Geldforderungen an den König und wegen der Einmischung in Staatsangelegenheiten unbeliebt gemacht. Ludwig II. gibt nach und bittet Wagner, die Stadt für eine gewisse Zeit zu verlassen.
10. Dezember Wagner verlässt München in Richtung Schweiz. Im April 1866 zieht er in ein Landhaus nach Triebschen. Die Miete für die Unterkunft Wagners bezahlt Ludwig II.

1866

28. Februar Österreich macht gegen Preußen mobil.
6. März Baubeginn für das Soiernhaus. Kurze Zeit zuvor hatte Ludwig II. beschlossen, das zurückgestellte Projekt des Jagdhauses doch ausführen zu lassen.
8. März In einer Depesche fordert Ludwig II. die übrigen Königshäuser aus dem Deutschen Bund auf, sich aus der Sache zwischen Österreich und Preußen heraus zu halten.
22. März Die preußische Armee wird teilweise mobil gemacht.
6. April
Die Vermittlungsversuch von Bayern in der Angelegenheit zwischen Österreich und Preußen schlagen fehl. Österreich macht sie zunichte.
27. April Prinz Otto wird volljährig. Er wird zum Hauptmann im Leibregiment ernannt, führt seinen eigenen Hofstaat und erhält eine Apanage von 80.000 Gulden.
10. Mai König Ludwig II. denkt am 9. Mai noch über seine Abdankung nach. Ihm widerstrebt die Mobilmachung der bayerischen Armee. Schließlich unterzeichnet er den Befehl zur Mobilmachung. Die Armee soll bis zum 22. Juni mobilisiert werden. In der Sache wird auch der Landtag einberufen.
14. Mai In einem geheimen Treffen in Starnberg mit Bismarck versucht Minister von der Pfordten nochmals, den Krieg durch Verhandlung abzuwenden.
22.–24. Mai Ludwig II. fährt heimlich in die Schweiz und besucht Wagner zu seinem 53. Geburtstag.
27. Mai Der König eröffnet den bayerischen Landtag in München immer noch in der Hoffnung, einen Krieg vermeiden zu können.
14. Juni Preußen erklärt den Deutschen Bund für erloschen. Im Bundestag wird die Bundesexekution gegen Preußen beschlossen. Bayern schließlich sich Österreich an.
16. Juni Ludwig II. schottet sich mit Fürst Taxis auf der Roseninsel im Starnberger See ab, lässt niemanden vor und verbringt die Zeit mit Vergnügungen, was ihm sein Volk arg verärgert.
24./25. Juni Der König begibt sich nach Franken. Er besucht in Bamberg das Hauptquartier des bayerischen Heers.
2. Juli Öffentlicher Aufruf von Ludwig II., für die deutsche Sache zu kämpfen und für die Eigenständigkeit Bayerns.
3. Juli Die Armee Österreichs wird bei Königsgrätz in Böhmen von den Preußen entscheidend geschlagen. Bayerns Armee muss bei Kämpfen in Nordbayern einige Verluste hinnehmen. Die Niederlage bedeutet die Auflösung des Deutschen Bundes und die Neuordnung der deutschen Verhältnisse unter Führung Preußens und unter Ausschluss von Österreich.
10. Juli Die bayerischen Truppen erleiden bei Kissingen eine schwere Niederlage. Der König gedenkt erneut abzudanken.
28. Juli Mit Preußen wird der Waffenstillstand vereinbart. Wenig später wird Frieden geschlossen. Bayern als Kriegsverlierer muss Reparationszahlungen in Höhe von etwa 30 Million Gulden leisten und kleinere Gebiete abtreten. Zusätzlich wird den süddeutschen Staaten ein Schutz- und Trutzbündnis aufgezwungen.
1. August Verschiedene Umbildungen im Kabinett Ludwigs II. Sigmund Freiherr von Pranckh wird neuer Kriegsminister.
22. August Der Friedensvertrag mit Preußen wird von den Vertretens Bayerns ohne die Garantien zur Souveränität Bayerns beschlossen, die König Ludwig II. gefordert hatte. Ein weiterer Vertrag unterstellt die bayerische Armee im Bündnisfall dem Oberkommando Preußens (das Schutz- und Trutzbündnis).
30. August Der bayerische Landtag wünscht einen engen Anschluss an Preußen.
10. November – 10. Dezember Ludwig II. unternimmt seine erste und letzte Besichtigungsreise durch bayerische Lande. Er begibt sich in die vom Krieg betroffenen fränkischen Regionen. Im Gefolge von über 100 Personen besucht er die Städte Bayreuth, Hof, Bamberg, Bad Kissingen, Aschaffenburg, Würzburg und Nürnberg.
31. Dezember Der preußenfreundliche Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst wird Vorsitzender des Ministerrats und Außenminister.