Graf Dürckheim wird Flügeladjutant unter König Ludwig II. – Geschichte eines „Pistolenduells“

1733

Gräfin Dürckheim schaltet König Ludwig II. ein

Doch bevor diese Vorschläge an Dürckheim überbracht werden konnten, klingte sich schon die Gräfin Dürckheim ein. Als sie von dem Duell erfuhr, machte sie das rasend. Sie sprach davon, den Prinzen Arnulf zu erschießen und sich selbst zu vergiften. Mitten in der Nacht begab sie sich in die königliche Residenz, drang bis ins Vorzimmer des Königs vor und verlangte unter lautem Rufen, dass dem König ein Brief von ihr des Inhalts übergeben werde: „Prinz Arnulf will meinen Mann töten, retten Sie ihn, Majestät!“

König Ludwig II. ist nun bekannt für seine Scheu. Er floh erstmal in sein Schlafzimmer. Der Lärm im Vorzimmer bekam ihm überhaupt nicht gut. Der Gräfin ließ er sagen, die Sache wäre sehr traurig, aber dies sei auch keine Art, mit einem König verkehren zu wollen. Sie solle sich an den Flügeladjutanten vom Dienst wenden, das war da gerade von Le Bret. Und die Gräfin begab sich gleich zu ihm… Und er danach zum König… General Muck wurde als Berater beigezogen… Erst wollte Ludwig II. die beiden Sekundanten der Duellanten verhaften zu lassen, um das Duell zu verhindern. Schließlich wurde Le Bret beauftragt, am folgenden Morgen um 5 Uhr dem Prinzen Arnulf und dem Grafen Dürckheim den Befehl zu überbringen: „Das Duell ist verboten. Die beiden Gegner haben sich vor dem Prinzen Leopold als Zeugen zu entschuldigen und zwar Dürckheim zuerst.“

Die Bitten des Grafen Dürckheim-Montmartin

Dürckheim bat, der König möge die Reihenfolge der Entschuldigungen nach der Zeitfolge der Beleidigungen anordnen. Und er bat den Ort des ganzen in das Palais von Leopold zu verlegen. Er wollte sich nicht in den privaten Räumen Arnulfs entschuldigen. Auch im Zusammenhang mit der „Versetzung“, die Arnulf bereits befehligt hatte, äußerte der Graf eine Bitte. Geschickt scheinbar stellte er das an. Ludwig II. jedenfalls wollte nun die ganze Geschichte wissen, er witterte wohl, dass mehr hinter der Sache steckt. Und die „Überhebungen“ von Mitgliedern seines Hauses konnte und wollte er in keiner Weise gut heißen. Ganz im Gegenteil klagte er zuweilen, daß so mancher von ihnen zu stark „prinzle“. Arnulf war auf jeden Fall ein Kandidat für diese Kategorie. Der König sandte Le Bret zu Dürckheim, den er zur Audienz bestellte. Während Arnulf nur „von unqualifizierbaren und nicht zu wiederholenden Äußerungen Dürckheims“ berichtete, erhielt Dürckheim so die Möglichkeit, sich ganz erklären.

Dürckheim berichtet alles und wird zum königlichen Flügeladjutanten ernannt

Nach den förmlichen Entschuldigungen der beiden „Duellanten“ ließ Ludwig II. Dürckheim abends nach der Hoftafel zu sich rufen. Der Graf erzählte dem König alles! Und der König fand „alles sehr richtig angebracht.“ Auch bemerkt der König, er sei im Allgemeinen durchaus nicht gegen Duelle von Prinzen. Im Familienstatut stehe auch nichts dagegen! Er habe es sich eigens zeigen lassen. „Nein!“ sprach der König, „aus dem Regiment und der Garnison kommen Sie nicht! Ich werde Sie zu Hofe nehmen.“

Am 29. Mai 1883 ernannte Ludwig II. Graf Dürckheim-Montmartin dann tatsächlich zum Hauptmann und königlichen Flügeladjutanten. Dieser immerhin nicht vorherzusehende Ausgang der Sache fand infolge der Unpopularität des Prinzen Arnulf allgemeinen Beifall und man schwärmte für die Handlungsweise des Königs, der fortfuhr, Dürckheim auf das höchste auszuzeichnen. Dürckheim dankte es seinem Gebieter und blieb sein Getreuer bis ganz zum Schluss.