Die private Finanzkrise – Vorgeschichte der Entmündigung König Ludwigs II.

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Alle stellen sich quer, auch Bismarck kann nicht helfen

Die in- und ausländische Presse setzt sich mit der Privatsache des Königs nunmehr in einer Weise auseinander, bei der man die Angelegenheit jetzt nicht mehr nur als Privatsache beschreibt. „Alle Welt spricht davon, und wie und was alle Welt davon spricht, ist für das bayerische Volk weder schmeichelhaft noch angenehm“, heißt es im „Bayerischen Vaterland“. Ludwig II. wendet sich letztlich auch an Bismarck. Da es aber der Wunsch des Königs war, seine Projekte fortzusetzen, sieht auch dieser keine Möglichkeit, Gelder für den Bayernkönig zu beschaffen. Bismarck rät König Ludwig II., er solle sich an den Landtag wenden. Denn Bismarck glaubt, dass das bayerische Volk seinen Herrscher nicht im Stich lassen wird und ihm einen Staatskredit gewährt. Und Ludwig II. folgt dem Rat des Reichskanzlers.

Am 17. April 1886 befiehlt Ludwig II. dem Gesamtstaatsministerium, es solle zur Ordnung der Verhältnisse der Kabinettskasse die Sache vor den gegenwärtig versammelten Landtag bringen. Doch die bayerischen Minister sind anderer Meinung als Bismarck. Sie glauben, dass es keine Hilfe geben wird. Die Minister setzen sich mit führenden Mitgliedern des Landtages auseinander. Und am 30. April 1886 wird die Diskussion mit negativem Ergebnis beendet. Die Vertreter der Mehrheitspartei zeigten sich verstimmt über das seltsame Verhalten des Königs und dessen Mangel an Regierungsinitiative.

In einem Schreiben am 5. Mai legen die Minister daher dem König nochmals eindringlich eine sparsame Hofhaltung nahe und bitten ihn, nach München zurückzukehren, um hier seine Finanzen selber zu regeln. Das macht den König zornig. Er brodelt wie ein Vulkan. Seinen früheren Kabinettssekretär beauftragt Ludwig II. schließlich damit, die Minister zu entlassen und den Landtag aufzulösen. Doch Minister Ziegler rät dem König eindringlich ab. Auch Bismarcks Rat ist Ludwig diesmal nicht teuer. So drängt er weiter auf die Entlassung von Ministern und des Kabinettsekretärs. Die Lage hatte sich bereits so zugespitzt, dass etwas passieren musste. Und es passierte: die Königskatastrophe.