Die private Finanzkrise – Vorgeschichte der Entmündigung König Ludwigs II.

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Raus aus der Krise und gleich wieder rein – Ludwig II. kurbelt seine Bauprojekte wieder an

Nach längeren Verhandlungen erhielt der König von drei Banken – Süddeutsche Bodenkreditbank, Bayerische Hypotheken- und Wechselbank und Königliche Bank – ein Darlehen in Höhe von 7,5 Millionen Mark. Die Absicherung des Darlehens erfolgte über etwa 2200 Wertpapieren, die Verpfändung von Grund und Boden und durch die Zivilliste, also das private Vermögen von Ludwig II. und das der Wittelsbacher. Damit wäre er aus seiner Finanzkrise befreit worden, hätte er nicht unvermittelt die Bautätigkeit wieder aufgenommen. Im Juni 1884 kurbelte er seine Bauprojekte wieder an und pfiff auf die Ratschläge seines Hofrats Pfister zur Sparsamkeit, der letztlich um seine Entlassung bat.

Der König beauftragte den Weiterbau in Herrenchiemsee, die Einrichtung des Thronsaals von Neuschwanstein und auch die Ruine Falkenstein sollte ausgebaut werden. Schnell war die private Zivilliste des Königs um weitere 6 Millionen Mark belastet. Von einer Einstellung der Bautätigkeit wollte Ludwig II. dennoch nichts wissen und ordnete mit höchst königlichem Willen im August 1885 die Fortsetzung und Vollendung seiner Bauprojekte an. Finanzminister Emil von Riedel wurde von ihm erneut beauftragt, sich der Regelung der Finanzen anzunehmen. Die Aufgabe schien unlösbar. Riedel sind gesetzlich zudem die Hände gebunden. Jeder, der mit dem Problem beauftragt wurde, biss sich die Zähne aus. Riedel bittet den König, seine Finanzen durch Sparsamkeit zu sanieren. Und der König bittet Ministerratsvorsitzenden von Lutz, Riedel aus dem Amt zu entfernen.

Ungeachtet der vorstehend allerehrerbietigst dargelegten Erwägungen hat der treugehorsamst Unterzeichnete, von der Ansicht ausgehend, daß die dermaligen Zustände der Kabinettskasse, soweit sie bekannt geworden und in vielen Zeitungsblättern namentlich des Auslandes und demzufolge in allen Schichten der Bevölkerung besprochen werden, eine große Gefahr für Euerer Majestät erhabener Person und Thron in sich bergen, und erfüllt von dem sehnlichsten Wunsche, den Allerhöchsten Interessen in gewissenhafter Weise zu dienen, sich schon jetzt während der ganzen Zeit angestrengtest abgemüht, um einen entsprechenden Ausweg zur Beseitigung der Verlegenheiten der Kabinettskassse zu finden.

Alles Bestreben war jedoch vergebens; auch das angestrengteste Nachdenken vermochte über die Tatsache, daß die der Kabinettskasse gestellten Aufgaben die Mittel derselben übersteigen, nicht hinwegzukommen, und der treugehorsamst Unterzeichnete kann bei dem besten Willen andere Schritte zur Besserung nicht bezeichnen, als die schleunigste Durchführung der oben angedeuteten Untersuchungen und die strengste Vermeidung jeder Ausgabe, für welche nicht eine planmäßige Deckung vorliegt.

Finanzminister Emil von Riedel an König Ludwig II., 3. September 1885